Erinnert ihr euch noch an das Hinspiel gegen Weimar? Nein? Glückwunsch, euer Verdrängungsmechanismus funktioniert hervorragend. Wir erinnern uns leider noch recht lebhaft an diese… sagen wir mal „Lehrstunde“, die uns der Gegner damals verpasst hat. Aber wie heißt es so schön: Man sieht sich immer zweimal im Leben – und so stand am vergangenen Samstag das richtungsweisende Rückspiel an. Die Ausgangslage war klar: Gewinnen wir, bleibt der Thron unser. Verlieren wir, müssen wir erneut die Schmach ertragen. Da wir einerseits Höhenluft besser vertragen und andererseits den Stachel aus dem Hinspiel unbedingt ad acta legen wollten, hatte Coach Wilfredo einen beispiellosen „Heißmach-Mechanismus“ ausgeklügelt, der alles ändern sollte. Hoch motiviert ging es aus der Kabine und das Blitzen in den Augen verhieß: zeigt Weimar, wo der Hammer hängt!
Der Start in Satz 1 war dann auch fast schon unheimlich seriös. Wir legten los wie die Feuerwehr. Während Weimar wohl noch die Anfahrt aus der Kulturstadt verdaute, knallten wir ihnen die Bälle um die Ohren. Doch warte, da stimmt doch was nicht – genau das Gegenteil war der Fall. Der Jenaer Startsechser hatte sichtlich Probleme ins Spiel zu finden. Viele Eigenfehler brachten Verunsicherung und böse Erinnerungen an das Hinspiel. Diese krampfhafte Nervosität konnte trotz zweier Spielerwechsel nicht gebrochen werden und so ging der erste Schlagabtausch sogleich an Weimar. Kurz durchatmen und durchschütteln in der Auszeit.
Im Zweiten Satz stellte der Trainer gleich von Beginn an um, doch der Start misslang abermals und Weimar ging direkt mit mehreren Punkten in Führung. Diesmal fingen sich die Jungs jedoch sofort und glichen direkt wieder aus. Von da an bewegten sich beide Teams im Gleichschritt. Es entwickelte sich ein stabiles Sideout-Spiel, in dem nur sehr wenige Breaks geholt werden konnten. Zur Satzmitte konnte Jena nach Spielerwechsel auf der Diagonalposition doch zwei, drei Breaks einfahren und ging leicht in Führung. Weimar nahm eine Auszeit bei 18:16 und konterte danach prompt mit mehreren Breaks. Folglich ging Weimar zur Crunchtime in Führung. Jena wechselte nun auch auf der Außenposition und konnte sich wieder stabilisieren, doch Weimar blieb mit einem Break in Führung. Beim Stand von 23:24 und drohenden zweiten Satzverlust nochmal eine Auszeit. Danach machte das geschulte Jenaer Fachpublikum (von Coach Leon vorahnend mit einem Megafon ausgestattet) den Sack ansatzlos von außerhalb des Spielfeldes zu. Weimar wähnte sich nach erfolgreichem Angriff schon als Satzgewinner, doch Frau „von Fensterschraube“ wies den Schiedsrichter vehement auf den Angriffsfehler der Gäste hin. Sichtliche Verwirrung aller Beteiligten. Was hatte das Publikum da nur gesehen? Nahezu unbemerkt stand der Libero beim oberen Zuspiel im Vorderfeld. Dem Schiedsrichter blieb keine Wahl, als seinen Fehler einzusehen und den Punktestand zu korrigieren. Statt Satzgewinn für Weimar auf einmal 24 beide und Aufschlag für Jena. Dann noch zwei Breaks – Satzausgleich. Wow, was für ein Satzfinale.
Scheinbar selbst verdutz ob des Satzausgleiches startete Jena wieder mit 0:4 in den dritten Satz. Nur, um dann direkt wieder auszugleichen. Hä, hatten wir das nicht eben schon? Nicht ganz, denn diesmal brachte Mittelblocker „Dave“ unglaubliche achte Aufschläge in Folge durch. Vorentscheidung gleich zum Satzbeginn! Weimar drohte das Blitz-K.O., konnte es aber abwenden. Für den Rest des Satzes verwaltete Jena diesen Vorsprung und musste nur beim Kopftreffer von „Feivel“ eine kleine Breakserie hinnehmen. Kurze Zeit später war der Satz aber eingetütet und man wähnte sich schon auf der Siegerstraße.
Dann das obligatorische „Wir machen es spannend“ im vierten Satz. Natürlich wäre es kein echtes Spiel von uns, wenn wir den Sack einfach staubtrocken zumachen würden. Ein bisschen Drama gehört zum guten Ton (das machen wir vor allem für unseren Trainer, der soll ja schließlich was lernen, damit er nächstes Jahr glänzen kann). Wieder überließen wir den Kulturstädtern den Satzbeginn und liefen lieber erstmal hinterher. Danach passiert nicht viel Spannendes und der Satz läuft auf hohem Niveau voran. Weimar hält den Vorsprung bis zum Schluss, Also stand es 2:2. Tiebreak. Warum einfach, wenn es dramatisch viel schöner ist?
Im Entscheidungssatz zeigt sich der wahre Charakter. Während bei Weimar langsam die Puste (oder die Geduld) ausging, haben wir den Fokus endlich scharf gestellt und zeigten Nerven aus Stahl. Wir drehten den Spieß um und starteten erstmals mit einer Führung in den Satz. Es ist eben doch schöner, nicht immer mit dem Druck eines Rückstandes aufspielen zu müssen und auf einmal läuft’s wie geschmiert. Ein paar wohlgesetzte Blocks, Aufschläge mit der Präzision eines Lasers und ein Sechser, der nichts mehr anbrennen ließ. Weimar hatte dem nun nicht mehr viel entgegen zu setzten und verlor den Tiebreak deutlich. Am Ende hieß es also Sieg für die Herren 3!
Zusammenfassung:
- Der Fehlstart
- Die Wende durch speziell ausgerüstete „Beste Hooligans der Welt“
- Die „Dave“-Show
- Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
- Nerven aus Stahl
- Die Nummer 1 der Thüringenliga (und der Stadt und Deutschlands und sowieso der ganzen Welt) sind ohne Zweifel wir!
Die Revanche ist geglückt. Ein 3:2-Krimi im Thüringenliga-Spitzenspiel gegen Weimar – das ist natürlich genau der Stoff, aus dem Legenden (und Kabinen-Sprüche) gestrickt werden. Wir haben zwar ein Punkt abgegeben, aber auch bewiesen, dass unsere „Dritte“ dieses Jahr zum Maß der Dinge in der Thüringenliga gehört oder sogar ist. Es gibt Siege, die schmecken süß. Und dann gibt es Siege gegen den SSV Weimar nach einer heftigen Hinspiel-Klatsche – die schmecken wie ein Drei-Gänge-Menü mit Creme Dessert und extra Sahnehäubchen.
Im zweiten Spiel gegen Ilmenau taumelten die Lichtstädter noch siegestrunken in den ersten Satz. Völlig schwebend oberhalb des Spielgeschehens überließ man den TUlern das Spielgeschehen und hatte direkt das Nachsehen. Coach Leon musste in der Satzpause dies Jungs wieder auf den Hallenboden holen, mit Erfolg. Der Fokus war wieder eingestellt und die Gäste kamen unter die Räder. In drei eindeutigen Sätzen wurde Ilmenau kompromisslos niedergerungen und die 3 Pünktchen in der Saalestadt behalten.
Wir bleiben Tabellenerster, Gotha trotz Patzer auf unseren Fersen. Aber hey, von da hinten ist die Sicht auf unsere Trikots ohnehin am besten. Jetzt wird regeneriert (mit Kaltgetränken, man kennt uns ja). Weimar und Ilmenau dürfen die Wunden lecken, wir polieren derweil den Thron.
Das nächste Siel findet Auswärts beim direkten Verfolger Gotha statt:
30.01.25; vmtl. gegen 13Uhr
Sporthalle Ernestinum
Am Tivoli 11; 99867 Gotha








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